FAZ 12.10.2007 Konzertkritik
Nur das Beste aus Pop und Rock
Von Christian Riethmüller12. Oktober 2007
Das hat es in der Geschichte des Frankfurter Clubs „Nachtleben“ noch nicht gegeben: Ein Konzert einer Band, die nur Nummer-1-Hits spielt. Die fünf Anzugträger auf der Bühne waren aber nicht irgendwelche Weltstars, die inkognito den hautnahen Kontakt zu ihren Fans suchen wollten, sondern eine kleine und sehr feine Band aus Köln namens Erdmöbel.
Verbeugung vor der Popgeschichte
Das liegt nicht nur an der leichtfüßigen musikalischen Umsetzung, bei der oft eine Posaune die Melodieführung oder die markanten Motive übernimmt, sondern vor allem an den deutschen Texten, die sich Sänger und Gitarrist Markus Berges zu den Hits einfallen ließ. Er hat sich dabei nah an die englischen Originalzeilen gehalten, was für viele humorvolle Momente sorgt, etwa wenn aus Tom Jones' „What's new Pussycat“ folgerichtig „Was geht, Muschikatz?“ wird. Obwohl die Bescheuertheit mancher Vorlage durch die Eindeutschung noch offensichtlicher wird, sind die Erdmöbel-Interpretationen von Bee-Gees-, Nirvana-, Robbie-Williams- oder Vengaboys-Hits kein Komödienstadl im Stile verschiedener TV-Scherzkekse, sondern eine charmante Verbeugung vor der Popgeschichte.
Im sehr gut besuchten Nachtleben sorgten die sachte schunkelnden Versionen von „Smells like Teen Spirit“ (Riecht wie Teen Spirit) oder „A Whiter Shade of Pale“ (Fahler als nur fahl) schon wegen ihres Wiedererkennungswerts für großes Hallo, doch der wahre Enthusiasmus des Publikums galt gerechterweise nicht den tatsächlichen, sondern den gefühlten Hits. Im zweiten oder langen Zugabenteil des gut hundertminütigen Konzerts spielten Erdmöbel eine Auswahl eigener Lieder, darunter etwa das bezaubernde „In den Schuhen von Audrey Hepburn“, das drängelnde „Dreierbahn“ oder das melancholische „Au Pair Girl“, Perlen des deutschen Indie-Pop und in imaginären Hitparaden ebenfalls an der Spitze. Nur ihr vielleicht schönstes Stück, „Busfahrt“, wollten Erdmöbel trotz sehnlichster Rufe aus dem Publikum nicht spielen. Die besten Lieder tauchen eben nur selten in den Charts auf.