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Erdmöbel - Krokus [Edel]
Und
jetzt alle: Sorpe! Banfe! Schobse! Milz! Erdmöbel sind zurück. Was für
eine Freude das ist. Das letzte, na sagen wir mal: „reguläre“ Album ist
jetzt schon fünf Jahre her; die Zusammenstellung „No. 1 Hits“ mit
Coverversionen großer, bekannter Titel auf deutsch war zwar charmant,
reichte aber an Wolkes Popdolmetscherei nicht heran. Nun wurde, wie es
derzeit einige liebgewonnener Bands tun, dem Hamburger Label Tapete der
Rücken gekehrt, und mit „Krokus“ dreizehn neue Songs eingespielt. Und,
bei allem journalistischen Abstand, der eingehalten werden sollte: wo
soll man hier mit dem Lobpreisen anfangen? Bei den musikalischen
Arrangements, die vor allem durch den regelmäßig wiederkehrenden Einsatz
von Bläsern eine heimelig wärmende Atmosphäre erzeugen; dazu noch
wundervoll verspielt das Essentielle in der Popmusik – wie
Eingängigkeit, Melodieseligkeit, Charme – in den Vordergrund stellen?
Oder bei den Texten von Markus Berges, bei denen man sich manchmal über
deren Merkwürdigkeit wundert – die eingangs geschriebenen vier Worte
sind Flüsse und kommen, passend, in „Fremdes“ vor; und wer hätte
gedacht, dass man einen Heiratsantrag an die Herzallerliebste mit den
Worten „Rosen, Ochsen, Holz“ (in „77ste Liebe“) beginnen könnte? – um
sich im nächsten Moment an deren Brillanz und Wortgewandtheit zu
erfreuen. „Ja, es war ein Gefühl als wie hielt ich die Welt am Stiel“ in
„Brasilia“, „Wer will geschenkt ein Herz aus Herzmaterial? Ich – meins
flackert so fatal wie Neon vorm Kaputtgehn“, wieder in „77ste Liebe“,
einem der wundervollsten Songs der Platte: das sind herrlichste Lyrics,
ohne dumme Befindlichkeit und manchmal mit so treffend eingesetztem
Kitsch, dass man selbst darüber nicht böse sein kann. „Wort ist das
falsche Wort“ becirct wie „Emma“ mit sacht jazzigem Sound; in letzterem
muss zudem gefeiert werden, wie die Begriffe „Nordrhein-Westfalen“ und
„blaue Silageplane“ in einem Popsong untergebracht werden können, und
man nicht eine Sekunde daran zweifelt, dass das gerade jetzt genau so
sein muss. „Erster Erster“ ist ein kleiner Hit, „September Nowak“
(benannt nach dem kürzlich erschienenen Roman Markus Berges’) ein
herrlich inniges Instrumentalstück. So darf man Erdmöbel mühelos
konstatieren, dass „Krokus“ vielleicht ihr bisheriger Schaffenshöhepunkt
geworden ist. So fein ziseliert Pop, so treffend genau lyrische
Umsetzungen von Alltag, betreffend Liebe, Verwirrtheit und
Weltumarmungsdrang. Das hier ist eine ganz, ganz tolle Platte.
Text: Kristof Beuthner
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