focus.de
Musik: Erdmöbel machen alles richtig
Mittwoch 22.09.2010Ein Orkan stand am Anfang dieses Albums, aber er
löste keine Zerstörung aus, sondern einen kreativen Urknall. Orkan Emma
raste vor zwei Jahren durch Westdeutschland und inspirierte Markus
Berges, Sänger und Songwriter von Erdmöbel, zum ersten, übrigens ganz
wunderbaren Song für das neue Album „Krokus“, das den Hörer gleich von
Beginn an magisch in seinen Bann zieht.
Dabei haben es sich die vier Wahlkölner, die als
Band seit 15 Jahren zusammen sind, es sich und ihren Fans nicht leicht
gemacht. Nach dem unverhofft erfolgreichen Coveralbum „No.1 Hits“ hat
Markus Berges zwölf neue Songs geschrieben, die sich nicht so leicht auf
den Punkt bringen lassen. „Ach, ist unsagbar schwer zu sagen“, heißt in
dem melancholisch verhangenen „Wort ist das falsche Wort“. Verdammt
wahr. Dazu leuchtet dann das seltsame „Polarlicht von Palermo“. Oder die
„blaue Silageplane“ fliegt vorbei. Wir werden sie so schnell nicht
wieder vergessen. Auch nicht das emphatisch in die Höhe steigende, sonst
so verwaltungsdeutsche „Nordrhein-Westfalen“. Muss man gehört haben.
„Die Texte wollen schon Musik sein„, sagt Markus Berges im Interview und dies gelingt ihm wunderbar spielerisch, aber nicht willkürlich. Berges veranstaltet keine Dada-Spielereien, sondern schreibt wundersam poetische Lyrics, die ganz konkrete Inhalte haben, über die man lange nachdenken kann. Überhaupt muss man diese wundersam- euphorisch-tieftraurige Platte oft hören, es gibt viel zu entdecken.
„Mitten könnt ich durch“ (und jetzt kommt eine lange Pause) „reißen mich vor Glück“, so zärtlich gedehnt intoniert Berges im popseligen Neujahrshit „Erster Erster“, in dem ruppigen Köln-Hass-Lied „Fremdes“ haut er uns wie ein Maschinengewehr Flussnamen um die Ohren: „Sorpe, Banfe, Schobse, Milz“. Und dann kommt noch das fatale „Stadtarchiv“.
„Die Texte wollen schon Musik sein„, sagt Markus Berges im Interview und dies gelingt ihm wunderbar spielerisch, aber nicht willkürlich. Berges veranstaltet keine Dada-Spielereien, sondern schreibt wundersam poetische Lyrics, die ganz konkrete Inhalte haben, über die man lange nachdenken kann. Überhaupt muss man diese wundersam- euphorisch-tieftraurige Platte oft hören, es gibt viel zu entdecken.
„Mitten könnt ich durch“ (und jetzt kommt eine lange Pause) „reißen mich vor Glück“, so zärtlich gedehnt intoniert Berges im popseligen Neujahrshit „Erster Erster“, in dem ruppigen Köln-Hass-Lied „Fremdes“ haut er uns wie ein Maschinengewehr Flussnamen um die Ohren: „Sorpe, Banfe, Schobse, Milz“. Und dann kommt noch das fatale „Stadtarchiv“.
Aber Berges´ Songs funktionieren nur, weil
Bassist Ekimas wieder einmal so großartige, luftig leichte Arrangements
geschrieben hat, mit reichlich Bläsern, Bossa-Nova-Anklängen und
allerlei Jazzigem. Die Musik ist fast das Beste an diesem Album. Oder
besser gesagt Sound und Text, die eine wundersame Einheit ergeben. Es
stimmt schon: „Wort ist das falsche Wort. Es ist mehr Akkord“.
dpa