Welt am Sonntag - Andreas Fasel
Tatsächlich gibt es viel Bewegung in den Liedern der neuen Erdmöbel-CD.
Manchmal rührt das Schlagzeug munter-altmodische
Conny-Froboess-Flottheiten zusammen, manchmal ist es eiskalter
Techno-Beat. Dazu werden die "Schuhe von Audrey Hepburn" besungen, ein
"wundervoller Nachmittag in Venedig" oder einfach nur der blaue Himmel.
Warum diese idyllischen Liebeleien trotzdem nicht in den Kitsch
abrutschen? Vielleicht, weil Berges gerade seine Glücks-Poeme immer ein
bisschen Udo-Lindenberg-mäßig dahernölt. Oder weil er die reine,
strahlende Lebensfreude meistens doch noch mit einer rätselhaften
Metapher verschattet. Oh ja, der Pop-Dichter Markus Berges und seine
Verse, die so vielschichtig sind und dennoch in jedem Halbsatz ein
ganzes Lebensgefühl transportieren - sie wären einer eingehenden
Betrachtung würdig. Allein schon die Zeilen des vorletzten Liedes der
CD: "Anfangs Schwester heißt Ende". Aber da bricht nun doch wieder
Berges' Melancholie durch. Und dabei hatte er sich fest vorgenommen,
heitere Texte zu machen. (Andreas Fasel)